Aktuelles

Besuch im Early Learning Center März 2022

Eindrücke vom Musikunterricht

Projekt-Update April 2022

Zwei lange Jahre mussten seit unserem letzten Besuch vergehen, bis nun endlich wieder ein Projektbesuch möglich wurde. Kaum angekommen, waren – zumindest temporär – alle Sorgen über Corona und den schrecklichen Krieg in der Ukraine verflogen. Unsere mittlerweile 150 Kinder bei ihren Aufgaben und auch bei Gesangs- und Trommelübungen zu erleben, löste bei uns Vorstandsmitgliedern und unseren mitgereisten Gästen gleichermaßen Begeisterung und große Emotionen aus. Fröhliche Gesichter, strahlende, neugierige Kinderaugen und auch ganz vorsichtige, höchst schüchterne Annäherungen an die deutschen „Respektspersonen“ gingen uns allen sehr zu Herzen. Wer bis dahin vielleicht leise Zweifel an der Sinnhaftigkeit unseres Tuns hatte, wäre spätestens jetzt von der Notwendigkeit unserer Arbeit überzeugt.

Der Vergleich mit dem staatlichen Schulsystem – meist mehr als 45 Kinder in schlecht möblierten Klassenräumen mit zum Teil herausgebrochenen Fenstern – in die wir vor Ort einen kurzen Einblick nehmen konnten, machte überdeutlich, welch hohe formale und inhaltliche Qualität wir mit unserem Little House of Hope anbieten. Die von Jahr zu Jahr längeren Wartelisten für unser Angebot sind vor diesem Hintergrund als eindeutiges Gütesiegel zu verstehen. Dass unser Weg auch mittel- und langfristig richtig ist, beweist, dass diejenigen unserer Vor- und Grundschulkinder, die ihren weiteren Weg über das Angebot unserer Partnerorganisation MYO nehmen, ihre Abschlussprüfungen bestehen, während landesweit weniger als 50 Prozent aller Schüler ihren Schulabschluss (und nur 18 Prozent der Gymnasiasten das Abitur) schaffen.

Einen großen Schritt haben wir zwischenzeitlich mit der Fertigstellung von zwei weiteren, gemauerten Klassenräumen nebst Toilettenanlage und Küche tun können. Damit verbessern wir die Rahmenbedingungen des  Unterrichts deutlich, der bisher in Stahlcontainern vor allem während der heißen Sommer sehr problematisch war. Nun wartet ein letzter Container auf den Ersatz durch einen Steinbau, den wir allerdings zunächst noch ansparen müssen.

Projekt-Update Oktober 2021

Nachdem sich die Corona-Pandemie in den Wintermonaten Juni und Juli mit einer dritten Welle dramatisch verschärft hatte, ist das Infektionsgeschehen in Namibia inzwischen etwas zur Ruhe gekommen. Unter dem Lockdown der letzten Monate hat Namibia jedoch stark gelitten und tut dies auch weiterhin.

Da ist es eine gute Nachricht, dass es wieder den lange herbeigesehnten Schulalltag gibt: Auch unser Early Learning Center (ELC) hat wieder seine Türen geöffnet, und „unsere“ Kinder sind mit großer Begeisterung und Freude darüber, ihre Klassenkameraden wiederzusehen und ihrem problematischen Alltag ein wenig entfliehen zu können, nach den Ferien gestartet.

Mit Ausnahme der von der Regierung vorgeschriebenen Gesundheits- und Sicherheitsregeln (Maskenpflicht, Händedesinfektion, Abstandshaltung und Temperaturmessung), die nach wie vor auf dem Gelände des Little House of Hope einzuhalten sind, läuft der Unterricht fast wieder normal. Auch eine warme Mahlzeit können wir unseren Kindern nun wieder bieten. Es ist nämlich nicht zu unterschätzen, dass sie in Zeiten eines normalen Schulbetriebs ein warmes Mittagessen und zwischendurch ein Stück Obst erhalten. Während des Lockdowns konnte wir diese Versorgung durch die wöchentliche Ausgabe von Lebensmittelpaketen an die Familien zumindest etwas aufrechterhalten.

Die Lehrkräfte im Little House of Hope sind vom Corona-Virus glücklicherweise verschont geblieben. Gleich zu Beginn des Lockdowns hatten wir beschlossen, für die Zeit der Schulschließung von letztlich fast drei Monaten alle Lehrkräfte mit Sonderaufgaben und einem speziellen Home Schooling-Programm für die Kinder weiterhin zu beschäftigen. Diese Maßnahme erschien uns außerordentlich wichtig, da die coronabedingte finanzielle Not in vielen Familien auch unsere Mitarbeiter sehr getroffen hätte. Auf diese Weise konnten wir mit der bewährten Mannschaft (acht Mitarbeiterinnen) in den Unterrichtsalltag zurückkehren.

Unsere Arbeit in Swakopmund wird allgemein sehr wertgeschätzt, bieten wir unseren Kindern doch Förder- und Ausbildungsinhalte, die sie im öffentlichen Bildungssystem nicht erhalten. Daher ist die Nachfrage nach freien Plätzen unverändert hoch und die Warteliste derer, die an der erfolgreichen Förderung im Little House of Hope teilhaben wollen, zunehmend lang. Wir haben uns deshalb entschlossen, unsere Kapazitäten mit dem Bau von zwei neuen Klassenräumen zu erweitern. Damit sind wir ab dem nächsten Jahr in der Lage, 100 Kinder zu betreuen und auf den Besuch der Grundschule vorzubereiten. Diese Vorbereitung durch unser Projekt ist unerlässlich, weil ansonsten eine große Zahl dieser Kinder die Schule wahrscheinlich nicht erfolgreich absolvieren würde.

Auch wenn es unseren Lehrkräften während des Lockdowns gelungen ist, den Kindern des Little House of Hope durch wöchentliche Unterrichtsstunden und begleitende Arbeitsmaterialien häusliches Lernen und Arbeiten zu ermöglichen, ist die Lücke, die die Pandemie verursacht hat, deutlich sichtbar. So werden wir vermutlich etlichen Eltern von Kindern, die vor dem Beginn der ersten Grundschulklasse stehen, zu einer Wiederholung des Jahres raten müssen.

Umso wichtiger ist die kontinuierliche Fortsetzung unserer Arbeit, um möglichst viele Kinder in ihren Fähigkeiten zu fördern und schulreif zu machen und ihnen so den Weg zu ebnen, zu selbstbewussten, eigenständigen Persönlichkeiten ihres Landes heranzuwachsen.

Projekt-Update September 2020

Nach der offiziellen Wiederaufnahme des Betriebs aller Schulen und Kindergärten hat auch das Early Learning Center am 21. September wieder die Türen geöffnet. Die meisten unserer Kinder sind mit großer Begeisterung und entsprechender Vorfreude in den lange vermissten Unterricht zurückgekehrt – die übrigen werden ab Oktober wieder dabei sein. Unsere Lehrkräfte sorgen für die Beachtung der von der Regierung vorgeschriebenen Gesundheits- und Sicherheitsregeln. Wenn eben möglich, werden auch die Eltern immer wieder auf die Einhaltung dieser Regeln, auch in ihrem häuslichen Bereich, hingewiesen. Alle Klassen- und Waschräume sowie Lehrmaterialien werden immer wieder gründlichst gereinigt, um ein hygienisch einwandfreies Unterrichtsumfeld zu schaffen.

Zur Vorbereitung auf den Neustart haben wir für unsere Lehrkräfte besondere Schulungen durchgeführt, die nun umgesetzt werden: Erarbeitung spezieller Lehrmaterialien für Schreib- und Leseübungen, Rechenaufgaben, Durchführung vertiefender Lektionen zu bereits abgeschlossenen Unterrichtseinheiten.
Während des Lockdowns war es unseren Lehrkräften gelungen, wöchentliche Unterrichtsstunden und begleitende Arbeitsmaterialien zu entwickeln, die den Kindern häusliches Arbeiten ermöglichten. Diese Arbeiten waren dann von den Eltern zurückzugeben, um sie mit ihnen besprechen zu können und ihnen dabei gleichzeitig auch Anleitungen für die bestmögliche Förderung ihrer Kinder zu vermitteln. In den nächsten beiden Wochen werden wir insbesondere die Kinder evaluieren, die vor dem Beginn der ersten Grundschulklasse stehen. Einige – allerdings eher wenige – werden über eine sehr gezielte Betreuung dieses Ziel noch erreichen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir bei etlichen Kindern den Eltern zu einer Wiederholung des Schuljahres raten müssen.

Auch das gewohnte Mittagessen und weitere Mahlzeiten erhalten unsere Kinder nun wieder. Während der Schließung hatten wir absprachegemäß vielen Kindern und auch ihren Eltern regelmäßige Lebensmittelspenden (Obst, Gemüse und klassischen Maisbrei) zukommen lassen, da im Township viele Bewohner durch den Lockdown absolut einkommenslos geworden waren.

Zu betonen ist noch einmal das große Engagement unserer Lehrkräfte, das in starkem Maße darauf zurückzuführen ist, dass wir während des Lockdowns – anders als viele andere Institutionen – keine Einkommenskürzungen vorgenommen haben.

Projekt-Update Juli 2020

Namibia hat glücklicherweise nur eine extrem geringe Zahl von Corona-Infektionen zu verzeichnen. Der beim ersten Auftreten konsequent über das ganze Land verhängte Lockdown hat die zunächst befürchtete dramatische Entwicklung verhindert. Die Folgen für das Land und seine Bewohner sind dennoch erschreckend. Allein der komplette Ausfall des Tourismus, der ein Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht, hat die immer schon sehr hohe Arbeitslosigkeit dramatisch verstärkt. Tarifverträge, Kurzarbeitergeld und Notlagen kompensierende Sozialleistungen gibt es kaum. Das verstärkt die Armutsdimension und den Hunger in den Townships massiv. Da auch die Schulen und Kindergärten bereits seit drei Monaten geschlossen sind und vor August wohl nicht wieder öffnen werden, haben wir uns entschlossen, den ärmsten unter „unseren“ Kindern und ihren Familien durch Lebensmittel-Lieferungen zu helfen. Auch haben wir die volle Bezahlung unserer Lehrkräfte aufrecht erhalten.

Durch die bereits seit Jahren anhaltende schwere Rezession – und nicht zuletzt auch durch die Coronakrise – hat unser Projektpartner Mondesa Youth Opportunities (MYO) leider seine letzten „treuen“ Unterstützer in Namibia verloren und ist nun auf andere, externe finanzielle Hilfe angewiesen. Da wir als LHoH unsere Kinder aber „nur“ durch die Kindergarten- und Vorschulzeit sowie die ersten drei Schuljahre begleiten und fördern, benötigen wir zur Umsetzung eines schlüssigen pädagogischen Gesamtkonzepts die volle Funktionsfähigkeit unseres Partners mit seiner Ausrichtung auf die Klassen vier bis acht. Wir haben deshalb beschlossen, für MYO Schritt für Schritt eine größere finanzielle Mitverantwortung zu übernehmen. Diese Entscheidung über die nächsten Jahre umzusetzen, ist uns allerdings nur möglich, wenn wir weiterhin auf eine regelmäßige Unterstützung und Sonderspenden durch Sie hoffen dürfen!

Wie wichtig die Arbeit des Little House of Hope ist, zeigt dieser Artikel aus der Namibian
Sun vom 15.01.2020:

Root of all failure.
An education expert believes Namibia’s early-childhood education is controlled by people with outdated ideas.

Die Wurzel allen Versagens

Frei übersetze Zusammenfassung aus der Namibian Sun vom 15.01.2020

Ein Bildungsexperte des Landes ist der Ansicht, dass die frühkindliche Bildung in Namibia von Menschen mit veralteten Vorstellungen betrieben wird, und hat das Bildungssystem bzw. die Lehrpläne für die frühkindliche Erziehung als mangelhaft bezeichnet.

Die politische Bewegung Popular Democratic Movement (PDM) unterstellt, dass sich das Bildungssystem aufgrund fehlgeleiteter Prioritäten, mangelnder Planung und Unterfinanzierung der Schulen durch die Swapo-Regierung in einer Krise befindet.

Dies wird im Jahr 2019 erörtert, in dem in manchen Regionen nur ca. 20-25% der Schüler die Prüfungen der Klasse 12 bestanden haben. Für den Exekutivdirektor des Bildungsministeriums ist besorgniserregend, dass wichtige Funktionen in den Regionen nicht besetzt seien.

Nach Ansicht einer Schulexpertin liegt die Ursache der überaus großen Zahl nicht erfolgreicher Abschlüsse in der fehlenden Qualität der frühkindlichen Entwicklung, die ihrer Meinung nach von ungebildeten Menschen mit veralteten Ideen kontrolliert wird. „Wer nicht Kurse für die Alphabetisierung von Kindern besucht hat, kann den Lernenden keine Lese- und Schreibkenntnisse vermitteln. Wenn einem Kind in Klasse 1 nicht das Lesen konsequent beigebracht wird, sei ein solches Kind nicht in der Lage, später die Prüfungsarbeiten der Klasse 10 oder 12 zu lesen und zu verstehen. Der Lehrplan der ersten bis dritten Klasse sei völlig fehlerhaft. Es gebe lehrplanmäßig zwar Hefte mit Wörtern, die die Lernenden sinnvollerweise kennen müssten, wenn sie in die Schule kommen, um richtig lesen zu lernen – aber nicht wenige kennen nicht einmal das Wort „it“, sagte sie. Außerdem weist sie darauf hin, dass die meisten Pädagogen nicht verstehen, dass Lese- und Schreibkenntnisse erst durch ein vertieftes Verständnis der Sprache auch zu guten Englischkenntnissen führen könnten.

Ihrer Meinung nach ist die Qualität des Unterrichts im Klassenzimmer eine direkte Widerspiegelung der mangelnden Qualität der Lehrerausbildung in Namibia. „Wenn man die Ausbildungs-Leitfäden zugrunde legt, stellt man fest, dass in den Schulen den Lernenden nur beigebracht wird, diese Lehrmaterialien nachzuplappern. Die Lehrkräfte nennen dies „Unterrichten mit Blick auf die Prüfungen“. Sie jedoch argumentiert: „Damit sind die Kinder zwar darauf vorbereitet, prüfungsbereit zu sein, es lernen aber nicht alle Kinder gleich. Ein Kind kann sich Dinge schnell einprägen, ein anderes lernt, wenn es etwas sieht, und wieder andere erbringen bessere Leistungen, wenn sie Dinge praktisch umsetzen. Aber diese Vielfalt findet leider keine lehrende Unterstützung.“

Als Antwort darauf hinterfragt der Direktor des Bildungsministeriums: „Liegt es an der Qualität der Lehrer oder an der Qualität des Unterrichts im Klassenzimmer? Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir müssen sicherstellen, dass die Lehrpläne und Ressourcen für das Lehren und Lernen richtig verstanden werden. Lehrer seien aber auch Profis und sollten mit Selbststudium und Unterstützung durch gute Unterrichtspraktiken richtige Lehrmethoden lernen. Leider sei man nicht proaktiv genug. Von den Lehrern verlange man nicht nur, dass sie in der Schule physisch anwesend, sondern auch, dass sie sehr gut vorbereitet sind und sich im Klassenzimmer auf ihre Aufgaben konzentrieren“, sagt er.

Jemima@namibiansun.com